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Mobbing: Wenn Schule krank macht

Mobbing in der Schule hat fast jeder schon mal erlebt – als Opfer, Zeuge oder Täter. Aber was kann man dagegen tun und wie fühlen sich die Betroffenen? Eine wahre Geschichte und viele Tipps, die dir und anderen helfen können.

Ein Mobbing-Opfer packt aus

Zehn lange Jahre wurde Laura (Name von der Redaktion geändert) von ihren Mitschülern gemobt. „Ich wusste nicht, wie man sich mit Worten zur Wehr setzt.” Zudem sei sie ziemlich dick gewesen und habe nie „die richtigen Klamotten” gehabt. Das genügte schon, um auf übelste Art belästigt und ausgegrenzt zu werden: Sie wurde schikaniert, verleumdet, bedroht, ausgenutzt. Ihr wurden Sachen, Essen und Geld geklaut. Sie wurde auf dem Heimweg verfolgt und von anonymen Anrufern terrorisiert. „Die Jungs haben auch schon mal zugelangt. Sie haben mich geschubst und hatten die fieseren Sprüche drauf. Die Mädchen haben eher hintenrum gelästert und mich ausgegrenzt.”

Ihre wenigen Freunde lernte Laura mit zwölf Jahren im Judo-Verein kennen. „Das war die erste positive Erfahrung in dieser Hinsicht.” Auch eine Mitschülerin lernte sie dort besser kennen. „Sie hat dann versucht, mich vor den anderen in Schutz zu nehmen.” Doch der jahrelange Terror ihrer Mitschüler hatte bei Laura tiefe Spuren hinterlassen. „Ich wollte nicht mehr in die Schule, wollte weglaufen, habe mich selbst verletzt – und irgendwann war es so schlimm, dass ich sogar an Selbstmord gedacht habe”, gesteht Laura mit leiser Stimme.

Es dauerte lange, bis ihren Eltern das Problem bewusst wurde. Zunächst nahmen sie ihre Tochter nicht ernst. Auch die Lehrer glaubten ihr nicht. Nur ihre große Schwester bekam mit, wie schlecht es Laura ging. Aber auch sie handelte nicht. Dann kam der Zusammenbruch: „Ich habe geweint, bin richtig hysterisch geworden, konnte nicht mehr atmen. Meine Mutter wollte erst den Arzt rufen. Dann hat sie die Verletzungen an meinen Armen gesehen und mich zum ersten Mal in Ruhe gefragt, was denn eigentlich los sei.” Laura versuchte, ihrer Mutter alles zu erklären. Sie wollte die Schule wechseln. Das schien ihr der einzige Ausweg. Doch die Eltern blockten zunächst ab.

Zum Glück war Laura mutig genug, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie fragte auf eigene Faust bei einem anderen Gymnasium an. Die dortige Direktorin hatte Verständnis. Und ihre Eltern lenkten ein. Laura wechselte nach der 9. Klasse auf die neue Schule. „Zwar hatte ich erst mal Angst, aber ich hatte mich über die Sommerferien sehr verändert. Eine Last war von mir abgefallen. Ich wusste, ich muss nicht mehr auf die alte Schule zurück.” So konnte sie die negativen Erfahrungen hinter sich lassen.

Laura kaufte neue Kleidung – immer noch keine Marken, aber besser als die abgelegten Klamotten ihrer Schwester. Sie nahm etwas ab, fühlte sich wohler in ihrer Haut. Dennoch war ihr Selbstbewusstsein anfangs im Keller. „Am ersten Tag habe ich mich still in eine Ecke gesetzt und gehofft, dass mich keiner blöd anspricht. Doch dann haben mich gleich ein paar Mädels an ihren Tisch geholt und ich habe mich prima mit allen verstanden.”

Auf der neuen Schule fand Laura richtig gute Freunde. Mit einigen ist sie heute – zehn Jahre später – immer noch befreundet. „Dafür bin ich echt dankbar!” Auch das Verhältnis zur Mutter besserte sich. Inzwischen hat Laura einen guten Job und keine Probleme mehr mit Mobbing. Wenn sie „Täter” von früher trifft, kann sie heute sogar mit ihnen darüber reden und die meisten entschuldigen sich bei ihr. „Als ich damals die Schule wechselte, waren alle plötzlich ganz kleinlaut”, erinnert sie sich. „Erst da haben sie gemerkt, was sie angerichtet hatten.”

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